Tempelgarten

Den 25. geh ich wieder nach ‚Amalthea’, meinem Garten in Ruppin. Ich brenne vor Ungeduld, meinen Wein, meine Kirschen und meine Melonen wieder zu sehen“, schrieb Kronprinz Friedrich am 22. Juni 1737 in einem Brief aus Rheinsberg.

Der Tempelgarten mit dem Apollo-Tempel ist ein gartenhistorisches Kleinod ersten Ranges im Land Brandenburg. Von 1732–1740 war Kronprinz Friedrich in Neuruppin Regimentskommandeur. Gleich nach seinem Einzug in Neuruppin ließ er sich auf den Wallanlagen am Rande der Stadt einen Garten anlegen, in dem sein Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff den Apollotempel als Rundtempel mit acht Säulen (Monopteros) 1735 errichtete. Hier konnte der Kronprinz nun mit seinen Freunden philosophieren und musizieren. Fontane schreibt: „Hier lebt er heitere, mußevolle Stunden, die Vorläufer jener berühmt gewordenen Tage von Rheinsberg und Sanssouci. Allabendlich, nach der Schwere des Dienstes, zieht es ihn nach seinem ‚Amalthea‘ hinaus. Der Weg durch die häßlichen Straßen der alten Stadt ist ihm unbequem, so hat er denn für ein Mauerpförtchen Sorge getragen, das ihn unmittelbar aus dem Hofe seines ‚Palais‘ auf den Wall und nach kurzem Spaziergang unter den alten Eichen in die lachenden Anlagen seines Gartens führt. Da blüht es und duftet es; Levkojen und Melonen werden gezogen, und auf leis ansteigender Erhöhung erhebt sich der „Tempel“, der Vereinigungspunkt des Freundeskreises, den der Kronprinz hier allabendlich um sich versammelt“.

Die Familie Gentz, eine einflussreiche Kaufmannsfamilie aus Neuruppin, kaufte 1853 den Tempelgarten und gestaltete den Park romantisch orientalisiert um. Bis 1856 wurde der Garten mit einer türkischen Villa, einer Remise mit stilisiertem Minarett, Umfassungsmauern mit orientalistischen Ornamenten und Eingangstoren nebst einer angedeuteten Bastion umbaut. Aus Dresden wurden wertvolle barocke Skulpturen erworben und das Innere des Tempels als Gedenkort eingerichtet. Mit der Umgestaltung des Tempelgartens durch die Familie Gentz wurde ein beeindruckendes Kleinod, das an den Aufenthalt des Kronprinzen Friedrich in Neuruppin erinnert, geschaffen. Weiteres über die Familie Gentz kann in Fontanes Wanderungen nachgelesen werden.

Von Mai bis Oktober, an jedem ersten Sonntag im Monat, werden um 14:00 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Der Tempelgartenverein bietet fassettenreiche Veranstaltungen mit Musik, Literatur und Film an.

Kontakt

Präsidentenstraße 64, 16816, Neuruppin

Website: www.tempelgarten.de